Die Konduktive Förderung nach Petö berücksichtigt, dass die Schädigungen des Nervensystems nicht nur isolierte Funktionsstörungen verursachen, sondern sich auf die gesamte Persönlichkeits-entwicklung auswirken. Durch gezielte Förderung bestimmter Entwicklungsbereiche werden auch andere Funktionen und Fähigkeiten positiv beeinflusst. Die Folgen einer cerebralen Schädigung sollen durch die enorme Plastizität des Gehirns mit einem intensiven und gezielten Lernprozess weitgehend kompensiert werden.

Die Konduktive Förderung verbindet pädagogische und therapeutische Elemente mit einer konsequenten Orientierung am Alltagsleben behinderter Menschen und dem Bestreben, sie zu größtmöglicher Selbständigkeit zu befähigen. Die Konduktive Förderung findet bei uns immer in der motivierenden Umgebung einer Gruppe statt – so werden soziale Kompetenzen,  Kommunikationsfähigkeit, Sozialverhalten, Aufmerksamkeit, Konzentration und Ausdauer gefördert. Langfristig wird die Eigenmotivation aktiviert und Selbstwertgefühl sowie Selbstvertrauen gestärkt.
Sprache, Bewegung und Rhythmus werden in einer ganzheitlichen Weise verbunden und die Kinder in den lebenspraktischen Fertigkeiten sowie ihrer motorischen, sprachlichen und auch in ihrer geistigen Entwicklung gefördert.

Die Konduktive Förderung dient als Leistung zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit als Maßnahme der sozialen Rehabilitation und leistet einen wichtigen Beitrag zur Inklusion.

Wir bieten zur Zeit in Hamburg viermal jährlich 4-5 wöchige Förderkurse mit hochqualifizierten Diplom-KonduktorInnen aus Ungarn an.  Aktuelle Kurse finden Sie unter „Termine“. Preise/Kosten teilen wir Ihnen gerne auf Anfrage mit.

Indikation bei Kindern
In den ersten Lebensjahren des Kindes bilden sich die entscheidenden Vernetzungen des Nervensystemes aufgrund der Umfeld- und Lernbedingungen. Für die Konduktive Förderung gilt deshalb: Je früher man anfängt, desto mehr kann erreicht werden. Die Konduktive Förderung ist angezeigt, wenn bei Ihrem Kind eine Hirnschädigung diagnostiziert wurde. In den ärztlichen Berichten finden Sie die Diagnose unter den Begriffen Spastische Diparese, Spastische Tetraparese, Spastische Hemiparese, Athetose, Cerebelläre Ataxie. Ursachen der Schädigungen können sein: Probleme während der Schwangerschaft, Geburtskomplikationen, Unfälle, schwere Infektionen, Gehirnoperationen und Narkosezwischenfälle, Sauerstoffmangel bei Reanimation. Frühgeborene Kinder sind besonders gefährdet.

Bei Kindern im Kindergartenalter muss die Kontaktaufnahme möglich sein, damit das Kind einfache Aufforderungen verstehen kann. Das Sprechen oder Sehen ist aber keine Voraussetzung. Bei hirngeschädigten Kindern bis zum 3. Lebensjahr gelten keine besonderen Voraussetzungen für die Aufnahme. Sie können schon als kleines Baby an der Konduktiven Frühförderung teilnehmen.Die Konduktive Förderung nach Andras Petö verbindet Medizin, Therapie und Padägogik untrennbar miteinander. Hierin, im alltagsnahen Programmaufbau, der Gruppensituation und der Intensität der Übungseinheiten liegen die Ursachen für die Erfolge dieser einzigartigen Fördermethode.

Allgemeines zur Konduktiven Förderung
Ein Förderkurs erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen, wobei die Kindern täglich 6 Stunden in einer Gruppe verbringen. In der Eltern-Kind-Gruppe täglich 4 Stunden. Die Aufgaben werden individuell unterschiedlich gesetzt. Im Kern geht es darum, alle brach liegenden menschlichen Funktionen zu aktivieren (geistige, körperliche, motorische und Wahrnehmungsfunktionen). Nicht das Senken der Spastik, sondern der erleichterte Umgang mit ihr steht im Vordergrund des Lernens. In der Übungspraxis bedeutet dies eine Orientierung an der Aneignung alltäglicher Fertigkeiten, wie beispielsweise Trocken sein, freies Sitzen, Gehen, Anziehen und Essen. Ziel ist es, das gesamte Nervensystem zu koordinieren. Es soll die Integration ins gesellschaftliche Leben und vor allem die größtmögliche Unabhängigkeit von Personen und Hilfsmitteln ermöglicht werden.

Die Eltern
Sie als Eltern spielen für die Entwicklung Ihres Kindes eine äußerst entscheidende Rolle. Deshalb werden Sie von uns von Anfang an in die Konduktive Förderung Ihres Kindes mit einbezogen. Vor Beginn des Förderkurses bespricht eine Konduktorin gemeinsam mit Ihnen die Erwartungen und die Ziele für Ihr Kind.

Während des Förderkurses werden Sie täglich von den KonduktorInnen über den Verlauf des Tages informiert. Wir organisieren zudem Elterntage, bei denen Sie ihr Kind in der Konduktiven Förderung erleben. In Gruppengesprächen lernen sich die Eltern kennen, tauschen ihre Erfahrungen und Informationen aus. Hier werden auch Freundschaften geschlossen.

Zum Abschluß des Förderkurses führen die KonduktorInnen ein Einzelgespräch mit Ihnen. Dazu bitten wir Ihre Haustherapeuten, Lehrer oder Erzieher aus dem Kindergarten hinzu. Sie erhalten von uns einen individuellen Abschlussbericht über den Verlauf und über die Ergebnisse des Förderkurses mit Empfehlungen und Aufgaben für zu Hause.